Das Motto der Konferenz prangte in goldenen Lettern auf rotem Grund über dem Rednerpult: „Die Internationale erkämpft das Menschenrecht". Meine Genossen im DKP-Parteivorstand hatten zu einem Solidaritätsmeeting mit ausländischen Arbeitern eingeladen. Nach dem zitatenreichen Eröffnungsvortrag des Großen Vorsitzenden und etlichen Grußworten wandte sich der Sprecher des deutschausländischen Wohnprojekts „Duisburger Hütte", Hussein Koc, mit einer unvorhergesehenen Bitte an die Tagungsleitung. Genossen, fragte er, haben Sie hier irgendwo einen Teppich? Es ist Gebetszeit, und wir möchten beten ...

 

Die Genossen am Vorstandstisch waren ebenso sprachlos wie ratlos. Mit einer solchen Frage waren sie noch nie konfrontiert worden. Das Ansinnen einfach ablehnen - eine solche Haltung war mit der proklamierten Bündnispolitik der Partei unvereinbar. Also wurde nach Auswegen gesucht, und der Genosse Kapluck, Parteivorsitzender aus dem Ruhrrevier, fand am Ende eine geradezu salomonische Lösung.

 

Freunde, verkündete er, hier haben wir das Geschenk der russischen Genossen vom letzten Parteitag, einen Wandteppich mit dem Bild des Genossen Breschnew ... Das kostbare Stück hing im Vorraum zum Sitzungssaal. Hussein Koc schaute den Teppich mißmutig an. Doch dann sagte er: Wir nehmen ihn, wir drehen das Bild einfach um. Dann sieht niemand, wer das ist, und Gott drückt bestimmt ein Auge zu.

So geschah es. Während das Plenum mühsam zu seiner Tagesordnung zurückfand, verrichteten die Bündnispartner aus Duisburg auf dem auf den Kopf gestellten Breschnewteppich in aller Seelenruhe ihr Mittagsgebet.

Dieser in der Geschichte der deutschen kommunistischen Bewegung vermutlich beispiellose Vorfall ließ dem Chefideologen unserer Partei, dem Genossen Steigerwald, keine Ruhe. In seinem Redebeitrag bekannte er sich ohne Wenn und Aber zum dialektisch-materialistischen Atheismus, und mit atheistischem Bekennermut wandte er sich an die Gäste: Niemand von Ihnen ist in der Lage, die Existenz Gottes zu beweisen!

 

Worauf Hussein Koc sich von den Plätzen erhob: Ebenso wenig, wie Sie in der Lage sind, die Nicht-existenz Gottes zu beweisen! Warten Sie ab! setzte sich der Genosse Chefideologe zur Wehr. Wenn es einen Gott gäbe, wie Sie ihn sich vorstellen, dann würde dieser Gott in einer solchen Konfrontation, wie wir sie in diesem Augenblick erleben, bestimmt eingreifen und ein Zeichen setzen. Doch nichts geschieht!

Sprach es, und im selben Augenblick löste sich das große Leninporträt, das seit Urväterzeiten an seiner festen Stelle links neben dem Rednerpult gehangen hatte, unmerklich, doch unaufhaltsam aus seiner Verankerung und knallte schließlich klirrend und splitternd auf den harten Beton. Es dauerte Minuten, bis die im Saal versammelten Genossen und ihre Gäste die Fassung wiedergefunden hatten. Was für ein Zufall! meinte der Genosse Steigerwald, bevor er seine Ausführungen fortsetzte.

Zufall, meldete sich Hussein Koc mit einem Zwischenruf noch einmal zu Wort, Zufall - das ist der atheistische Name für Gott!

 

Breschnew als Gebetsvorlage

Es war zu Beginn der Ferienzeit. Im Hamburger Hauptbahnhof fuhr ein Reisesonderzug nach dem anderen Richtung Süden ab. Auf dem Bahnsteig 13 herrschte entsprechender Hochbetrieb. Mitten im Gewühle lief mir eine aufgeregte Frau regelrecht in die Arme. Um Gottes Willen, rief die Frau, können Sie mir helfen?

 

Um was geht es denn? fragte ich. Mein Mann ist in den Ferienzug eingestiegen, und der Zug ist abgefahren. Ja, sagte ich, dann fahren Sie mit dem nächsten Zug hinterher. Aber das geht nicht, schrie die Frau verzweifelt, mein Mann hat die Fahrkarten und das ganze Geld bei sich.

 

Ich versuchte die Frau zu beruhigen. Da hilft nur noch beten! Ein Fünkchen Hoffnung war auf ihrem Gesicht abzulesen. Aber wie? stammelte die von Gott und Mann verlassene Frau. Meinen Sie das ernsthaft? Ja, sagte ich.

 

Aber wie, wollte sie wissen. Einfach drauflos beten! Das hab ich seit meiner Kinderzeit nicht mehr getan! Können Sie mir helfen? Wenn es sein muß, warum nicht! gab ich zur Antwort. Und dann sprach ich in aller öffentlichkeit ein kurzes Stoßgebet: Bitte, lieber Gott, erbarme Dich dieser armen Frau! Und Gott hatte ein Erbarmen. Ich hatte mein Gebetlein kaum zu Ende gesprochen, ha hob die verzweifelte Frau erleichtert ihre Hände, als wollte sie dem Allerbarmer danken.

 

Sie zeigte zur Rolltreppe. Dort schwebte der verloren geglaubte Reisegefährte in aller Seelenruhe zum Bahnsteig herab. Da ist er ja, mein Mann! jubelte die Frau. Er hat den Zug genauso wie ich verpaßt. Sehen Sie, sagte ich zur Frau, ein Gebet ist nie umsonst. Auf Gott ist immer Verlaß. Da können Sie doch sagen: Gott sei Dank! Wieso? fiel mir die Frau ins Wort. Wieso soll ich ausgerechnet dem lieben Gott danken! Mein Mann ist doch von ganz alleine wiederaufgetaucht, und er war ja gar nicht in den Zug eingestiegen.

Ich schüttelte mit dem Kopf. Sie haben Recht, gnädige Frau, in einem solchen Fall hilft auch kein Beten mehr.

 

Da hilft kein Beten mehr

Mit jakobinischem Eifer versuchte Walter Grab, mich zum Atheismus zu bekehren. Ich wohnte im Europakolleg Tür an Tür mit ihm zusammen, und er nutzte die Gelegenheit, um vor allem meinem naiven Glauben an das Leben nach dem Tode hart zuzusetzen. Was ist das Leben? fragte er mich, nachdem wir fast eine Nacht miteinander diskutiert hatten. Er nahm ein Streichholz aus der Schachtel, rieb es an der Reibfläche, entzündete es, steckte sich damit eine Zigarette an, und dann führte er das brennende Zündholz an den Mund und blies es aus. So, sagte er, das ist das Leben: ein Streichholz, das angezündet und kurz danach wieder ausgeblasen wird.

 

Ich gebe zu, dieses einleuchtende Beispiel für die Vergänglichkeit unseres irdischen Lebens ist mir lange im Kopf geblieben, auch als meine Freundschaft mit Walter Grab, dem jüdischen Historiker, längst an unseren ideologischen Differenzen zerbrochen war. Als ich viel später einen weiseren Lehrer gefunden hatte, erzählte ich ihm von dem Gleichnis mit dem Zündholz. Mein Imam schlug mir vor, darüber zu meditieren. Ich reckte mich und streckte mich, und mit einiger Mühe gelang es mir, mich in die Lage eines Streichholzes hineinzuversetzen. Wenn ich nichts als ein Schwefelhölzchen bin, dann mußte es doch jemand geben, der mich anzündet und der mich am Ende meines kurzen Lebens wieder ausbläst. Und wenn ich nur ein kleines Stück Holz wäre, dann hab ich vorher in einer Schachtel gesteckt, und davor war ich ein Baum. Und weiter vorher ein Samenkorn.

 

Ich vertiefte mich in meine Streichholzexistenz und dachte über den Sinn meines kurzen Aufleuchtens nach. Gott, vergegenwärtigte ich mir, ist kein kleines Kind mehr, er spielt nicht zum Spaß mit Feuer und mit Streichhölzern. Er zündet dich nicht aus lauter Jux und Dollerei einfach an und bläst danach dein Lebenslicht gleich wieder aus. Er hat mit dir etwas vor. Vermutlich ist Gott Nichtraucher, er wird dich nicht zum Zigarettenanzünden brauchen. Gott braucht dich, fiel es mir wie Schuppen von den Augen, zu etwas anderem. Er möchte mit dir eine Kerze anzünden, ein Licht, das in der Dunkelheit leuchtet. Dieser Gedanke beglückte mich. Doch als ich aus meiner Versenkung wieder aufgetaucht war, plagte mich neuer Zweifel. Was ist mit dem Leben nach dem Tode, wenn die Kerze entzündet und das Streichholz, dein Leib, erloschen ist und verworfen wird? Ich zerbrach mir den Kopf von neuem. Doch plötzlich rief mir meine innere Stimme ins Ohr. Du Esel, schalt sie mich, begreif doch. Du hast die Flamme entzündet. Du bist Licht geworden, Du brennst vor Sehnsucht nach Deinem Gott. Was, Seele, willst du mehr!

 

Um zum Ausgangspunkt meiner Betrachtung zurückzukehren: Walter Grab, der atheistische Eiferer, starb vor kurzem als frommer Jude in Israel. Wie sein großes Vorbild Heinrich Heine hat er, schon sterbenskrank, dem atheistischen Aberglauben abgeschworen und Gottes Erleuchtung erfleht.

 

Das Gleichnis von den Schwefelhölzern

Mein Onkel Heinz und zwei Tanten väterlicherseits führten zusammen den Dorfladen. Natürlich waren meine Schwestern und ich im „Kaufhaus Peter Diedrich Schütt", das noch immer den Namen meines Großvaters trug, gern gesehene Gäste. Eine Kleinigkeit zu naschen bekamen wir immer zugesteckt, auch in den allererbärmlichsten Zeiten zu Ende des Krieges und danach. Aber die größte Faszination übte Lora auf mich aus, der Papagei, der zum Laden dazugehörte und jeden Kunden mit einem freundlich schelmischen „Heil Hitler" begrüßte. über die Gesichter der meisten Dorfbewohner flog ein Lächeln, wenn sie Loras Stimme hörten. Die Nazis freuten sich, und die keine Freunde der Nazis waren, hatten auch ihre heimliche Freude, denn aus dem Hals des Paradiesvogels kam der Hitlergruß seltsam verfremdet.

 

Die Tage des Dritten Reiches waren gezählt, die Front rückte näher, und immer mehr Leute im Laden grüßten nicht mehr mit „Heil Hitler", sondern wieder mit „Guten Tag" wie in den Zeiten, bevor alles Unheil anfing.

 

Und dann rollten britische und amerikanische Panzer durchs Dorf, der Spuk war zu Ende. Die Leute wünschten sich gegenseitig wieder einen guten Tag. Nur Lora nicht. Er blieb stur und begrüßte auch nach der Wiedereröffnung des Ladens jeden eintretenden Kunden mit „Heil Hitler". Meine Tanten redeten auf ihn ein, versuchten ihm klar zu machen, daß sich die Zeiten geändert hatten. Doch Lora ließ sich nicht von dem abbringen, was er einmal gelernt hatte. Es wurde eng für ihn. Immer lauter dachten meine Tanten darüber nach, wie sie das lästige Tier los werden und sich auf diese Weise entnazifizieren lassen konnten.

 

Zwei Jahre waren seit Kriegsende vergangen, die Not war schlimmer denn je, und Lora krächzte immer noch seinen Nazigruß in den Laden. An einem sibirisch kalten Tag im Februar klopfte es spätabends an die Hintertür. Der Papagei rief laut: „Guten Tag! Guten Tag!" Onkel Heinz war überraschend und unangemeldet aus der britischen Kriegsgefangenschaft zurückgekehrt. Er war nie Hitleranhänger gewesen, schon weil er wegen seiner geringen Körpergröße gar nicht in die großgermanischen Idealnormen paßte. Auch seinem Papagei hatte er nur den Guten-Tag-Gruß beigebracht, und so wußte das wendige Tier, als der kleine Kaufmann nach sechs Kriegs- und Gefangenschaftsjahren wieder zur Tür hereinkam, auf Anhieb, was die Stunde geschlagen hatte. Und fortan hat Lora alle Tage nur noch „Guten Tag" gekrächzt. Fast zwanzig Jahre lang.

 

Der Papagei als Wendehals

Vor zwanzig Jahren, als das Militär wieder einmal putschte, um die Demokratie vor dem Kommunismus und dem Fundamentalismus zu schützen, wurde es in der Türkei ernst. Mein alter Freund Nasreddin Hodscha, Spaßmacher vom Dienst, beschloß, seine Zelte in Deutschland aufzuschlagen. Nachdem er zwei Jahrzehnte lang die Deutschen als Gastnarr unterhalten und es schließlich sogar bis zum Haus- und Hofnarren und zum Vorzeigetürken gebracht hatte, war er eisern entschlossen, sich um die begehrte deutsche Staatsbürgerschaft zu bewerben.

 

Nasreddin trällerte fröhlich „Dütschlünd übür üllüs", als er die ehrfurchtgebietenden hohen Stufen zum Amt für Einbürgerung gleich neben dem Landesamt für Verfassungsschutz bestieg. Er war angenehm überrascht, wie zügig dort die Einbürgerungsanträge bearbeitet und erledigt wurden. Als er gutgelaunt an die Tür des Amtszimmers klopfte, wurde er höflich gebeten, einzutreten und für ein paar Minuten Platz zu nehmen. So wurde er Zeuge, wie rasch es gehen kann, wenn ein einbürgerungswilliger Orientale die Aufnahme in den deutschen Staatsverband begehrt.

 

Der Mann, dessen Antrag vor Nasreddins Augen im Schnellverfahren erledigt wurde, sprach kein Deutsch, sondern versuchte sich in einer Sprache verständlich zu machen, die sich wie ein türkischer Dialekt anhörte. Es war kasachisch. Um Mißverständnisse zu vermeiden, hatte er einen Dolmetscher mitgebracht. Trotz der übersetzungsprobleme dauerte es keine fünf Minuten, bis der Antragsteller seiner kasachischen Staatsbürgerschaft ledig und zum bundesdeutschen Vollwertbürger geworden war. Stolz hielt der eben Eingebürgerte, dessen Schnurrbart dem von Nasreddin bis in die weißen Haarspitzen hinein ähnelte, das Dokument in den Händen. Seinen ungültig gestempelten kasachischen Paß steckte er wie einen alten Wisch in die Manteltasche. Dann wurde Nasreddin Hodscha aufgefordert, seinen Antrag vorzulegen und zu begründen. Sie möchten also auch den Doppelpaß? fragte die Sachbearbeiterin. Doppelpaß ist Doppelspaß! erlaubte sich Nasreddin zu scherzen. Doch Frau Bolte verstand keinen Spaß. Unsere Verfassung kennen Sie schon? Ich kenne und liebe sie. Nasreddin zitiert Artikel Drei des Grundgesetzes: Alle Menschen sind ... gleich. Niemand darf wegen ... benachteiligt oder bevorzugt werden.

 

Frau Bolte nickte mit dem Kopf. Das haben schon viele gesagt. Und wie, Herr Hodscha, verhält es sich mit ihren Einkommensverhältnissen? Doppelpäßler sollten in der Regel auch Doppelverdiener sein! Das ist doch klar, antwortete Nasreddin, wenn ich im Lotto gewinne, dann gewinne ich doppelt, erstens als Deutscher, zweitens als Türke, und als vaterlandsloser Zwischenstaatler zahle ich nirgends Steuern. Und wie sieht es mit Ihrem Wohnraum aus? wollte Frau Bolte wissen. Reicht Ihre Wohnung überhaupt für zwei Pässe aus? Nasreddin gab bereitwillig Auskunft. Meine Wohnung hat Platz für mich, für meine Frau, für meine Mutter und meinen Schwiegervater, für unsere drei Kinder und für zwei Katzen. Da dürfte noch genügend Platz übrig sein für meinen Doppelpaß. Frau Bolte reichten die Angaben. Ihr Antrag, stellte sie fest, ist offensichtlich ganz und gar unbegründet. Nasreddin nickte ergeben und bat die Sachbearbeiterin höflich: Erlauben Sie noch eine Frage? Frau Bolte ließ die Frage zu.

Warum hat der Mann vor mir seinen Paß sofort bekommen? Warum stellen sie mir tausendundeine Frage und sagen am Schluß trotzdem:  Nein? Die Sachbearbeiterin antwortete sachlich: Der Mann war Deutscher! Aber, wandte Nasreddin ein, er sprach kein Deutsch.

 

Das tut hier nichts zur Sache. Er war deutscher Abstammung. Er hatte deutsches Blut in seinen Adern. Wie unterscheidet man, wollte Nasreddin, der Spaßvogel, wissen, deutsches Blut meinetwegen von türkischem Blut? Diesmal beliebte Frau Bolte zu scherzen. Das ist wie beim Bier. Deutscher Saft ist reiner. Dann sollte ich mich mit Bier vollaufen lassen, damit mein Blut gründlich gespült und eingedeutscht wird. Diese Methode hilft bei mir nicht. Als Muslim trinke ich grundsätzlich kein Bier. Aber ich kann Ihnen gern ein Attest bringen. Ich hab nach meinem Unfall im letzten Herbst sieben Bluttransfusionen bekommen. Die haben mein Blut vollkommen ausgetauscht. Ich bin jetzt voll von deutschem Blut.

 

Nasreddin zog seinen Antrag zurück. Er hatte es plötzlich eilig. Auf dem Flur hoffte er, den Mann aus Kasachstan noch zu treffen. Doch der war nicht mehr zu sehen. Als Nasreddin seine Argusaugen umherschweifen ließ, fiel sein Blick plötzlich auf den Papierkorb. Dort entdeckte er den kasachischen Paß, den der Mann vor ihm in die Manteltasche gesteckt hatte. Er zögerte nicht lange. Er holte sich den abgelegten Paß aus dem Abfallkorb und nahm ihn zu seinen eigenen Papieren. Er kannte zwar keine russischen Buchstaben, aber auf der Heimfahrt gelang es ihm immerhin, den Geburtsort zu entziffern: Karaganda, Kasachische Sowjetrepublik.

 

Zuhause trennt er sorgfältig das Blatt mit dem Ungültigstempel heraus. Drei Tage später stieg er die Treppen zum Amt noch einmal hinauf. Er klopfte an, und ihm wurde aufgetan. Dieses Mal betreute ihn eine andere Sachbearbeiterin. Sie war höflich und zuvorkommend. Nach einer Viertelstunde stand Nasreddin wieder draußen. In den Händen hatte er drei Pässe, einen deutschen, einen russischen und einen türkischen.

 

Der schnelle Weg zum Doppelpaß

Zum Glück meiner Kindheit gehörte, daß ich zusammen mit Tieren groß geworden bin. Wir hatten zuhaus Hühner, Enten und Gänse, Schweine und Schafe, und wir hatten einen Hund. Auf dem Hof nebenan gab es Katzen, Kühe und Pferde. Ein jedes Tier hatte seinen Namen, und zu jedem hatten wir Kinder eine eigene Beziehung. Wir mochten alle, aber manche Tiere mochten wir ganz besonders gern. Mit einigen haben wir uns auch gezankt. Wenn meine Eltern einmal nicht zuhaus waren, dann fühlten wir uns niemals allein. Die Tiere waren mit uns und beschützten uns, so wie wir sie beschützt haben. Weil ich mit ihnen als Kind auf gleicher Augenhöhe lebte, habe ich manche Tiere noch heute vor Augen. Ich bin davon überzeugt, daß ich sie eines Tages wiedersehen werde. Seit dem Stall von Bethlehem wissen wir, wie nahe das Tierreich und das Himmelreich beieinander liegen. Wobei ich mir gar nicht sicher bin, ob wirklich alle Tiere in den Himmel kommen. Einige von ihnen habe ich auch als richtige Bösewichter erlebt, die zumindest das Fegefeuer verdient haben.

 

Einmal hatten wir einen Ziegenbock, den wir Gustav nannten. Er kam uns reichlich eingebildet vor und trug den Kopf ziemlich hoch. Er wollte immer der Größte sein. An einem warmen Tag in den Sommerferien, als wir alle zusammen mit denTieren draußen waren, kletterte Gustav auf unseren Sägebock. Stolz stand er oben auf dem Bock und präsentierte sich mit aufgerecktem Hals und drohend in den Himmel gerichteten Hörnern als Krone der Schöpfung. Halb Hornochse und halb röhrender Hirsch, machte er auf seinem selbst erklommenen Bocksthron eine ausgesprochen komische Figur. Sogar die Hühner lachten ihn aus. Unser Hofhund fühlte sich in seiner Herrscherehre beleidigt und biß Gustav vor Wut kräftig in die Hinterbeine. So mußten wir alle mit ansehen, wie unser Ziegenbock, der sich über sich selbst und seinesgleichen erhoben hatte, elendig und mit den Füßen nach oben von seinem Sägebock stürzte.

 

Der Sturz des Ziegenbocks

Eine Hosteß führte mich zu meinem Platz hinter die Bühne. Ich war noch geblendet von dem Scheinwerferlicht im Saal, daß ich Mühe hatte, mich im Backstage-Bereich zurechtzufinden und all die vielen VIPs zu erkennen, die sich im Verborgenen auf ihren großen Auftritt vor den Fernsehkameras vorbereiteten.

 

Neben mir saß eine Dame, die eine schwarzrotgoldene Schärpe trug. Ich vermutete, sie müßte etwas mit Politik zu tun haben und sei vielleicht die Bürgermeisterin von Troisdorf, jener Bonner Vorstadt, in deren überproportionalisierter Stadthalle das Event des Jahres über die Bühne ging: die Verleihung des „Diamanten", des Preises für zwölf Nachwuchsstars aus allen Sparten.

Ich wollte nicht unhöflich sein und sprach deshalb meine Nachbarin an. Von welcher Partei sind Sie denn, wenn Sie die Frage erlauben? Die Antwort kam ziemlich schroff: Ich bin Miß Germany! Mir verschlug es die Sprache. Ich war über mich selber erschrocken, über mein mangelndes Nationalgefühl und darüber, daß ich offenbar schon so alt geworden war, daß ich die leibliche Gegenwart einer leibhaftigen Schönheitskönigin an meiner Seite nicht bemerkt hatte. Ich bat um Verzeihung.

 

Dann wurde ich auf die Bühne gebeten, um als Lau-dator in drei Minuten die Gemälde meines Malerfreundes Davood Roostaei, eines der preisgekrönten Künster, über den grünen Klee zu loben. Es ging leidlich gut, trotz der vorgerückten Zeit. Nach mir hatte die verkannte Schönheitskönigin ihren großen Auftritt. Sie sollte zugunsten der Aidshilfe eine Lederjacke versteigern, die Michael Jackson eigens für diesen Anlaß gespendet hatte. Sie streifte sich das kostbare Stück so über, daß dabei auch ihre königlichen Reize zur Schau kamen, und dann sagte sie verheißungsvoll: Diese Jacke von Michael Jackson ...

 

Doch sie wurde jäh von einem Zwischenruf unterbrochen: Die ist von Karstadt! rief jemand, der vielleicht nicht mehr ganz nüchtern war, aus dem Publikum hinauf zur Bühne. Miß Germany war so aus der Fassung und aus ihrem Konzept gebracht, daß sie ihre Versteigerung abbrechen mußte. Schade nur, daß bei der Fernsehaufzeichnung, die eine Woche später ausgestrahlt wurde, ausgerechnet diese Episode nicht zu sehen war.

 

Die verkannte Schönheitskönigin

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